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Abluftreinigungssystem für Tierhaltungsanlagen

Am 15. Juli 2013 hat das Cluster Umwelttechnologien.NRW im Auftrag des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums (MKULNV NRW) ein Expertengespräch zur Leistungsfähigkeit von Filtertechniken in der Tierhaltung durchgeführt. Das Cluster hat das Expertengespräch angeboten, um prüfen zu können, welche Hürden für die Anwendung von Filtertechniken in der Tierhaltung bestehen und wie diese im Sinne einer breiteren Markteinführung abgebaut werden können. 

 

Hintergrund: Neben Emissionen an Staub, Gerüchen und Bioaerosolen sind insbesondere Ammoniak-Emissionen von besonderer Relevanz in der Tierhaltung. Die Richtlinie 2001/81/EG hat nationale Emissionshöchstmengen für Luftschadstoffe festgelegt, die nach dem Jahr 2010 nicht mehr überschritten werden dürfen. Deutschland hat bisher diese Höchstmenge für Ammoniak nicht einhalten können. Die Hauptquelle (ca. 80 %) für Ammoniak-Emissionen stellt die Tierhaltung dar. NRW schreibt mit dem „Tierhaltungserlass“ vom 19.02.2013 für neu zu errichtende große Schweinehaltungsanlagen den Einbau von Abluftreinigungsanlagen als Stand der Technik verbindlich vor. Bestehende große Schweinehaltungsanlagen (ca. 100 in NRW) müssen nachgerüstet werden, wenn dies mit verhältnismäßigem Aufwand möglich ist. Aus Sicht der Betreiber spielen insbesondere die Kosten für die Errichtung und den Betrieb der Abluftreinigungsanlagen eine große Rolle. Aus Sicht des Umweltschutzes muss eine ausreichende Reinigungsleistung – auch im Dauerbetrieb – gewährleistet sein. Für die aufwändigeren Abluftreinigungstechnologien, wie chemische Wäscher oder Wäscher-Biofilter-Kombinationen, ist der geforderte Minderungsgrad bereits belastbar nachgewiesen worden. Bei kostenseitig günstigeren Biofiltern ist dieser Nachweis jedoch bisher nicht erbracht worden und es bestehen fachliche Zweifel, ob das Erreichen des geforderten Minderungsgrades auf dem gegenwärtigen Entwicklungsstand möglich ist. Aufgrund der in der Fachmeinung vielfach geäußerten, nur bedingten bzw. nicht vorhandenen Eignung von Biofiltern zur dauerhaften Ammoniakminderung, werden Biofilter-Systeme als alleinige Reinigungsstufe in der Regel als genehmigungsfähige Technik zur Ammoniakminderung nicht empfohlen und oft nicht zugelassen (vgl. VDI-Richtlinie 3477 sowie einschlägige Fachveröffentlichungen). 

 

Im Rahmen des Expertengesprächs am 15. Juli 2013 wurde daher der aktuelle Wissenstand diskutiert. An dem Gespräch haben über 30 Akteure aus dem Kreis der zuständigen Behörden, der Anbieter und der Wissenschaft teilgenommen. Die Einbindung der Wissenschaft erfolgte über unseren Kooperationspartner InnovationsAllianz.NRW. Über das Expertengespräch wurde deutlich, dass die Leistungsfähigkeit von Filtertechniken – hier insbesondere die Biofilter – nicht ohne aktuelle und akzeptierte Messergebnisse einvernehmlich beurteilt werden kann. Daher hat das MKULNV NRW die Durchführung einer Untersuchung zur Eignungsfeststellung angeboten.

 

Mit der Untersuchung soll die Frage beantwortet werden, ob insbesondere (Biofilter)-Abluftreinigungssysteme den einschlägigen Anforderungen an Tierhaltungsanlagen (hier Schweinehaltungen) nach der Maßgabe des „Tierhaltungserlasses NRW“ entsprechen. Dazu werden nach § 29b BImSchG öffentlich bekannt gegebene Messinstitute über insgesamt 20 Wochen in einem Gesamtzeitraum von 16 Monaten entsprechende Biofilter-Systeme bemessen. Mithilfe des eingesetzten Messprogramms wird die Wirksamkeit eines Filters bei unterschiedlichen, im Betrieb auftretenden, Umgebungstemperaturen, Abluftvolumenströmen und Schadstoffkonzentrationen überprüft. An dem Messverfahren können Anbieter von Filtertechniken insbesondere aus NRW auf eigene Kosten teilnehmen. Dazu hatte das Cluster im Nachgang des Expertengesprächs eine offene Einladung über den Verteilerkreis des Expertengesprächs versandt. Daraufhin haben zwei Hersteller von Biofiltern Interesse an einer Teilnahme an dem Eignungsnachweis bekundet. Unter Moderation des Clusters wurde von Herrn Apl. Prof. Dr.-Ing. Günter Baumbach – gemeinsam mit den von den Herstellern beauftragten Messinstituten und dem LANUV NRW – eine Richtschnur vereinbart, die als Grundlage für das Messprogramm Anwendung findet.

 

Im 2. Quartal 2015 werden unter neutraler Begleitung des vom MKULNV NRW beauftragten Fachexperten Herrn Apl. Prof. Dr.-Ing. Günter Baumbach Messungen an dem Biofilter-System eines der Hersteller gestartet. Weiteren Herstellern steht eine Teilnahme unter den vereinbarten Rahmenbedingungen offen. Es ist geplant die Ergebnisse der Untersuchung nach Abschluss des Verfahrens zu veröffentlichen. Das Cluster Umwelttechnologien.NRW übernimmt die Moderation und die Kommunikation der Ergebnisse des Prozesses und gewährleistet außerdem den Vertrauensschutz zwischen den konkurrierenden Filterhersteller in dem Nachweisverfahren.

 

Hier können Sie den Projektsteckbrief als pdf Dokument herunterladen.

 

Downloads

Impulsreferate des Expertengesprächs vom 15. Juli 2013:

 

 

Hier finden Sie das Programm des Expertengesprächs als pdf-Datei. Hier können Sie sich die Ergebnisdokumentation als pdf herunterladen.

 

News

Bundesregierung will Ammoniakemissionen reduzieren

Die Bundesregierung hält eine Minderung der Ammoniakemissionen um fünf Prozent auf zirka 544 Kilotonnen bis zum Jahr 2020 für machbar. Nach aktuellen Prognosen des Umweltbundesamtes werde mit bisher eingeleiteten Regelungen und Maßnahmen bis zum Jahr 2020 eine Emissionsminderung von 3,4 Prozent erreicht, schreibt sie in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Die zusätzlich erforderlichen Emissionsminderungen sollen unter anderem durch die Verpflichtung zur Anwendung emissionsarmer Ausbringverfahren für Wirtschaftsdünger und die verpflichtende Einarbeitung von Geflügelmist innerhalb von vier Stunden erreicht werden. Zur Umsetzung dieser Maßnahmen bereite die Bundesregierung derzeit eine Novellierung der Düngeverordnung vor. Zur weiteren Verringerung der Ammoniakemissionen aus der Tierhaltung sei die Weiterentwicklung der Haltungssysteme notwendig, heißt es in der Antwort weiter. Die Bundesregierung unterstütze dies durch verschiedene Forschungs- und Förderungsmaßnahmen. Darüber hinaus hätten die Bundesländer verschiedene Maßnahmen ergriffen. Sie reichten von der Ausgestaltung von Programmen zur Förderung emissionsarmer Haltungsformen und Ausbringungstechniken bis hin zu immissionsschutzrechtlichen Anforderungen wie dem Einbau von Abluftreinigungsanlagen. Ammoniak trage insbesondere zur Eutrophierung und Versauerung von Ökosystemen und zur Bildung sekundärer Feinstäube bei, schreibt die Bundesregierung. Die damit im Zusammenhang stehenden Umweltkosten könnten derzeit nur grob abgeschätzt werden. Die aktuelle Methodenkonvention des Umweltbundesamtes nenne als Anhaltspunkt gesamtgesellschaftliche Umweltkosten von 27 Euro je Kilogramm emittierten Ammoniaks. Vor allem im Bereich der Auswirkungen auf Ökosysteme hätten aber bisher nur Teilaspekte berücksichtigt werden können. Insbesondere läge der Bundesregierung keine differenzierte Analyse der ökologischen und/oder gesundheitlichen Schäden aufgrund der Ammoniakemissionen in der Nähe von Mastanlagen vor. 

 

Ansprechpartner

Marcus Bloser

bloser@umweltcluster-nrw.de

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